Gräfenhainichen – Zum Auftakt des Jahres 2026 lud die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Wittenberg zu ihrem traditionellen Neujahrsempfang nach Gräfenhainichen ein. In ernsten, aber kämpferischen Zeiten stand die Veranstaltung im Zeichen deutlicher Worte zur Wirtschaftspolitik, lokaler Erfolge und des Gedenkens an vergangene Wegbegleiter.
Infrastruktur und „Bauturbo“ für die Region
Bürgermeister Enrico Schilling eröffnete den Reigen der Grußworte mit einem positiven Blick auf die regionale Entwicklung. Er lobte ausdrücklich den sogenannten „Bauturbo“ sowie die fließenden Infrastrukturgelder. Diese Mittel seien essentiell, um die Region als attraktiven Wirtschaftsstandort zu sichern und Investitionsstaus aufzulösen.
MIT als politischer Motor
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze hob in seiner Rede die enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der CDU und der MIT hervor. Die MIT zeige dauerhafte Präsenz bei diversen politischen Formaten und sei ein unverzichtbarer Impulsgeber. Als konkretes Beispiel nannte Schulze die Anpassung des Vergabegesetzes, die maßgeblich auf eine Initiative der MIT zurückgehe.
Ein ernsteres Thema sprach der Minister bezüglich der aktuellen Lage bei „Domo Chemicals“ an. Schulze erläuterte die Hintergründe der Schwierigkeiten: Die Liquiditätsprobleme seien durch die Muttergesellschaft in Belgien verursacht worden. Er äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass in Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter eine gute Lösung für den Standort und die Beschäftigten gefunden werden könne.
„Tatenleser“ statt Schwarzmaler
Der Landesvorsitzende der MIT Sachsen-Anhalt, Harald Kremer, nutzte seine Rede für eine grundsätzliche Standortbestimmung. Er erinnerte an die Tradition des Empfangs, der vor 30 Jahren, 1996, seinen Anfang nahm. Zugleich gedachte er dem im vergangenen Jahr verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Prof. Wolfgang Böhmer, der stets ein geschätzter Gast der MIT war.
Kremer fand deutliche Worte zur aktuellen Weltlage und kritisierte jene, die sich „Despoten willfährig anbiedern“. Wer das Land schlechtrede oder spalte, habe in den Reihen der Verantwortunsgträger nichts zu suchen. Statt Angstverbreitung brauche es Mut zu den globalen Herausforderungen.
Inhaltlich positionierte sich der Landesvorsitzende klar gegen eine weitere Reduzierung der Arbeitszeit. Mit Blick auf den Fachkräftemangel und den Vergleich zur Schweiz – wo pro Arbeitnehmer 250 Stunden mehr geleistet würden – warnte er davor, die Wirtschaft „mit Gewalt zugrunde zu richten“.
Konkrete Forderungen zum Bürokratieabbau
Die MIT belässt es nicht bei Kritik, sondern liefert Vorschläge. Kremer formulierte zwei zentrale Forderungen an die Landesregierung:
Verbindlicher Bürokratieabbau: Jedes Ministerium soll verpflichtet werden, mindestens fünf konkrete Vorschläge vorzulegen, um Berichtspflichten zu reduzieren und Prozesse zu digitalisieren.
Planungsbeschleunigungsgesetz: Für öffentliche Bau- und IT-Projekte fordert die MIT deutlich schnellere Genehmigungsverfahren. Ziel ist eine parallele statt sequentielle Bearbeitung sowie die Einschränkung von Einsprüchen auf direkt Betroffene.
Das Erreichte zählt
Die Veranstaltung endete mit einem optimistischen Bekenntnis zum Standort Sachsen-Anhalt. „Wir sind Tatenleser“, fasste Kremer die Haltung der Mittelständler zusammen. Nicht die Anzahl der Follower in sozialen Medien oder das Erzählte sei entscheidend, sondern das tatsächlich Erreichte.
Mit diesem Geist und einem „Prost Neujahr“ gehen die Unternehmerinnen und Unternehmer der Region gestärkt in das Jahr 2026.



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